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Fish und Paprika
Gulasch, Eintöpfe, Fischersuppe, Kohlauflauf und die "unvermeidliche" Gulaschsuppe - das ist die ungarische Küche, wie sie die meisten Ausländer kennen. Die ungarische Trink- und Esskultur ist Teil eines jahrtausende alten Lebensstils, der durch einzigartige Gewohnheiten geprägt war. Die einst auf den Rücken ihrer Pferde über die asiatischen Steppen ziehenden Ungarn lebten in Zelten, und ihre Essgewohnheiten passten sich dieser Lebensweise an. Sie trockneten Fleisch unter ihrem Sattel und ließen es so mürbe und weich werden. Sie kochten und backten über dem offenen Feuer. Fleisch war für sie sehr wichtig, weil sie als Nomaden keine Felder bestellen konnten.
Durch Zusammentreffen mit ihren finnischen und finno-ugrischen Verwandten breitete sich auch unter den Ungarn die Methode des Fischfangs aus. Heute bevorzugen die Ungarn neben Flussfischen vor allem die Fischspezialitäten vom Balaton, Hecht oder den berühmten Plattensee-Zander. Im Bereich der Gewürze waren die heute so bekannten Paprika eine recht späte Bereicherung der ungarischen Küche, die erst durch die Türken eingeführt wurde.
Es gibt scharfes und mildes, "süßes" Paprika. Die Ungarn servieren gerne pikante, gut gewürzte Gerichte und bereiten damit manchem Gast eine "scharfe Überraschung". Wer aber schon indische oder mexikanische Küche probiert hat, wird finden, dass im Vergleich dazu ungarische Eintöpfe und der Gulasch recht milde Speisen sind. Den Türken fiel im 16. Jahrhundert in Ungarn auf, dass Paprikapflanzen nicht nur zur Zierde dienen können, sondern auch exzellent zum Kochen sind. So kam es, dass Paprika als Gewürz und Beilage Eingang in die ungarische Küche fand. Paprika kommen hauptsächlich aus der Region um Szeged und Kalocsa. Dieses typisch ungarische Agrarprodukt, die "Frucht ungarischen Bodens", wird dem ausländischen Besucher heute auch in hübschen Säckchen oder - geeignet als "aromatisches Geschenk" - eingenäht in kleinen Duftkissen angeboten. Zusammen mit der feinen Makó-Zwiebel bildet Paprika die (Gemüse-)Basis des typisch ungarischen Gulaschs und der Gulaschsuppe.
Die ungarische Küche beinhaltete schon immer eine Fülle unterschiedlicher Einflüsse. Ob diese aus der französischen oder italienischen Küche (und dabei besonders von den auch kulinarisch interessierten Renaissancekünstlern am Hof König Matthias') stammen oder von den Köchen benachbarter transsylvanischer Fürsten oder aus dem gemeinsamen österreichisch-ungarischen Erbe des Habsburgerreichs herrühren -, sie alle haben ihre ganz bestimmte Note hinterlassen. Die Geschmacksrichtungen verschiedener Fleischgerichte, Saucen und Gewürze erinnern oft ebenso an Frankreich, Österreich oder Italien wie an Ungarn.
Fleischbrühe aus dem Topf wird ebenso in Pariser Restaurants wie in Ungarn serviert. Das typisch ungarische, mit "Semmelbröseln" gebratene Fleisch ist der Zwillingsbruder des Wiener Schnitzels. Die Ungarn haben also nicht nur viele Begegnungen mit den Heeren fremder Völkern gemacht, sie sind mit ihren Trink- und Essgewohnheiten in Kontakt gekommen. Mit der Zeit fingen sie an, die "unbekannten" Gerichte zu mögen und führten sie so in die ungarische Küche ein.
Die berühmtesten Weinregionen: Tokaj, Eger und Sopron
Ungarische Weine haben europa- und weltweit einen guten Ruf und erfreuen sich seit einiger Zeit wieder stetig wachsender Beliebtheit. Es werden zunehmend auch international bekannte Rebsorten angebaut. Der berühmteste ungarische Wein, der so genannte "Wein der Könige", ist der Tokaj Aszú. Einst waren selbst Könige und Päpste froh, ein kleines Fässchen des kostbaren Rebensafts zu besitzen. Die Trauben werden sehr lange an den Weinstöcken an den sonnigen Hängen der Tokaj-Region hängen gelassen, wobei diese Methode sich wegen der speziellem klimatischen Bedingungen der Anbauregion nicht unbedingt auf andere Gebiete übertragen lässt.
Das Ergebnis ist ein qualitativ hochwertiger Wein mit außergewöhnlich hohem Zuckergehalt, der weltweit einzigartig ist. Ebenfalls weltweit bekannt sind die berühmten Weine "Erlauer Stierblut" und der "Blaufränkische" aus Sopron ("Egri Bikavér" bzw. "Soproni Kékfrankos") aus Eger bzw. Sopron/Ödenburg am Neusiedler See. Qualitativ hochwertige Weine werden aber auch in den rund ein Dutzend übrigen Weinbauregionen des Landes, z.B. in Villány oder Tihany, erzeugt. Heute werden die individuellen Erzeugnisse dem Gast in jedem Hotel oder Restaurant serviert. Das Auge "trinkt mit": die dekorativ etikettierten Flaschen aus kleinen privaten Weingütern eignen sich - falls nicht direkt konsumiert - natürlich auch als schönes "Mitbringsel" für Freunde und Verwandte daheim.
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